PERSÖNLICHKEIT VON ALTENPFLEGERN/INNEN

„Von allen wichtigen Charakterzügen eines Altenpflegers ist insbesondere die Güte zu nennen. Diese Eigenschaft bewirkt, dass er wohlwollend, freundlich und fürsorglich ist. Ältere Menschen unterziehen sich ungern einer Bewertung, lassen sich nicht gerne belehren und lieben ihre Unabhängigkeit - deshalb muss ein Altenpfleger den älteren Menschen vor allem für seine Erfahrung, seine Lebensweisheit und seine Verdienste schätzen, denn das sind die größten Werte eines Seniors. Im Vergleich zu früher sind die Senioren in unserer Zeit höher gebildet, verfügen über eine reife Lebensphilosophie und können der jungen Generation außer ihrer Weisheit auch noch wertvolles Wissen um Tradition, Kultur, Geschichte, insbesondere aber ihre Erfahrung und ihre Lebensweisheit anbieten. Bei älteren Menschen verändert sich - aufgrund ihres Alters - die Wertehierarchie, das bedeutet vor allem, dass die materiellen Werte, die gesellschaftliche Wertschätzung, das Vorziehen der beruflichen Karriere vor das Familienleben oder sogar vor die Familiengründung an Bedeutung verlieren, dem gegenüber gewinnen andere Werte an Bedeutung, so z. B.: die Herstellung guter Beziehungen in der Familie, Achtung der Regeln des sozialen Miteinanders, die Moral, religiöse, zeitübergreifende, das allgemeine Menschenleben betreffende Werte, die ihre Wurzeln in der Axiologie (Wertlehre) haben; hier bedeutet das Wort Wert „alles, was wichtig und wertvoll für den Einzelnen und die Gesellschaft und begehrenswert ist, alles was in Verbindung mit positiven Erlebnissen steht und gleichzeitig das Ziel von menschlichen Bestrebungen ist“. Man kann, ja, man muss sogar diese wertvollen Gaben, die die Älteren der jungen Generation anbieten, nutzen und auch seine Dankbarkeit dafür zum Ausdruck bringen können. Eine weitere Anforderung, der eine Person, die ältere Menschen betreut, entsprechen muss, ist die Achtung der Gewohnheiten seines Schützlings, gleichzeitig muss der Betreuer vertrauens- und glaubwürdig sowie verfügbar sein. Pflichtbewusstsein, Gewissenhaftigkeit und Einfallsreichtums sind weitere Eigenschaften eines guten Pflegers. Es kann beim Bauen eines Vertrauensverhältnisses zwischen dem Schützling und seinem Pfleger sehr helfen, wenn der Pfleger fähig ist, sein Verhalten der jeweiligen Situation anzupassen. Eine weitere, wichtige Voraussetzung ist das Verständnis für die verschiedensten Ängste von älteren Menschen, so zum Beispiel die Furcht und Abneigung gegenüber modernen Geräten, die heutzutage allgegenwärtig sind. Die Unfähigkeit der Senioren, Gegenstände, die heute schon zum täglichen Leben gehören, wie z. B. Handys, Geldautomaten, Computer oder digitale Apparate zu bedienen, bewirkt, dass sie sich in der modernen Welt fremd fühlen. Dabei darf dem älteren Menschen der Zugang zu modernen Geräten und Informationen im täglichen Leben nicht zwangsweise aufgrund seines fortgeschrittenen Alters verwehrt bleiben. Ein Altenpfleger muss immer damit rechnen, dass bei seinem Schützling - aufgrund des Alterungsprozesses - verschiedene gesundheitliche Probleme auftreten können, deshalb muss er auch in Lage sein, den älteren Menschen systematisch zu beobachten und die wichtigsten Pflegebehandlungen (bei Bedarf) auszuführen, Speisepläne zusammenzustellen und Mahlzeiten entsprechend den Bedürfnissen seines Schützlings zubereiten und im Notfall erste Hilfe zu leisten. Die Eigenschaften eines guten Betreuers sind die gleichen, wie die eines Menschen mit einer reifen Persönlichkeit. Das bedeutet, dass er auf seine Triebe nicht überreagiert, in angsteinflößenden Situationen souverän reagiert, Frustrationen gut verarbeitet, die eigenen Schwächen und Misserfolge akzeptiert, ohne dabei ein Gefühl des Scheiterns zu haben. Ein reifer Mensch darf verschiedene Stimmungen haben, er muss sie jedoch so unter Kontrolle haben, dass sie das Wohlergehen anderer Menschen nicht beeinträchtigen, er muss das emotionale Gleichgewicht, welches auf der psychischen Stabilität basiert, bewahren. Ein guter Pfleger muss seine Entscheidungen bewusst, auf der Basis rationeller Erwägungen treffen, gewissenhaft vorgehen und dabei immer die Verantwortung für die eigene Person und andere Menschen im Blickpunkt haben, sich und andere sowie das jeweilige Verhältnis „ich - die Welt“ objektiv betrachten, die eigenen Triebe, Emotionen und Kontakte zu anderen Menschen vollständig und bewusst unter Kontrolle haben, die eigenen Kontakte mit der Umwelt bewusst gestalten, er muss in der Lage sein, überlegt zu planen, seine Bestrebungen, Ziele und Werte müssen dem eigenen Potential entsprechen. Bei der Betreuung von älteren Menschen ist die Fähigkeit der effizienten Verständigung mit dem Schützling von großer Bedeutung. Teilweise erfolgt diese Verständigung über die Sprache, größtenteils kommt sie jedoch in der wortlosen „Körpersprache“ zum Ausdruck, der Pfleger übermittelt eine ganze Reihe von Informationen über den Ton, die Mimik oder die Gestik und muss hier besonders achtsam sein. Die Persönlichkeit eines Menschen, welcher Bewunderung, Sympathie, manchmal sogar Neid hervorruft, besteht im Allgemeinen aus menschlichen Eigenschaften, die als Idealeigenschaften eines Menschen angesehen werden. Es ist ein Mensch, der das Gefühl der Sicherheit vermittelt, welches dazu beiträgt, dass er die auftretenden Vorfälle nach dem Prinzip der Ursache und Wirkung betrachtet. Der Mensch fühlt sich somit als ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft, in der er lebt. Eine solche Person sieht den Sinn des eigenen Lebens, sammelt Erfahrungen, entwickelt sich weiter, genießt die eigenen Erfolge, kennt bestens die eigenen Stärken und Schwächen, passt ihre Lebenspläne den eigenen Möglichkeiten an, ist realistisch, interpretiert die Realität adäquat und ist in der Lage, effizient zu handeln. Sie erkennt und löst Schwierigkeiten rechtzeitig, ist aber auch in der Lage, die eigene Machtlosigkeit gegenüber unausweichlichen und unabänderlichen Tatsachen einzugestehen. Sie kennt ihre wahren Gefühle, ist aber in der Lage, sie zu beherrschen und entsprechend zum Ausdruck zu bringen. Die Impulse, die durch die Gesellschaft nicht gebilligt werden, hat sie voll unter Kontrolle. Die eigenen Wünsche, Ambitionen, Bedürfnisse und Konkurrenzkämpfe realisiert sie ohne in Konflikte zu geraten. Eine Person, die diesem Muster entspricht, berücksichtigt die gesellschaftlichen Anforderungen, respektiert die Bedürfnisse anderer Menschen, verzichtet jedoch dabei nicht auf die eigene Individualität, die eigene Liebe. Sie kann ihre eigenen Interessen verteidigen, lässt sich weder ausnutzen noch missbrauchen. In Kontakten mit anderen Menschen verhält sie sich natürlich und spontan. Sie spricht offen über ihre Erwartungen und darüber, wie sie behandelt werden möchte. Sie besitzt die Fähigkeit zur Koexistenz und Zusammenarbeit. Sie räumt für sich das Recht ein, Fehler zu machen, ist aber bemüht, verursachte Schäden nach Möglichkeit wieder gut zu machen. Ihre Moralnormen, Ansichten und Überzeugungen sind stabil. Sie ist jedoch fähig, sie aufgrund neuer Informationen und Erfahrungen zu korrigieren. Ein Altenpfleger muss gewillt sein, alle seine Charakterzüge, die für die Betreuung von älteren Menschen notwendig sind, wie z. B.: Akzeptanz des Nächsten, Achtung seiner Würde, Bereitschaft zur Hilfeleistung, Übernahme der Verantwortung für die eigenen Handlungen, Sensibilität für das Leid des Anderen, Aktivität und Selbstständigkeit, Teamfähigkeit, Zielstrebigkeit beim Erweitern des eigenen Wissens und der Selbstentfaltung, diszipliniertes Verhalten, Wunsch nach Selbstbewertung und Selbstkontrolle, weiterzuentwickeln.


Autor: „Kompetenzen des Betreuers von älteren Menschen“ Dr. Ewa Kopeć - Marie Skłodowska-Curie Universität in Warszawa